Mittwoch, 22. November 2017

Was will Gott für jeden von uns?

Brief von P. Eduardo Robles Gil LC (Generaldirektor) zum Christkönigssonntag, Patrozinium des Regnum Christi

In einem Brief vom 20. November 2016 übermittelt P. Eduardo Robles Gil LC, Generaldirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, einige persönliche Gedanken und Reflexionen zum Christkönigsfest. Der vorliegende Text ist eine Übersetzung des spanischen Originals.

* * *

20. November 2017

               

An die Mitglieder des Regnum Christi

 

Liebe Freunde in Christus,

 

wie jedes Jahr versammeln wir Mitglieder des Regnum Christi uns in allen Ländern und Regionen, wo wir ansässig sind, zum Christkönigsfest, um Gott für seine Gaben zu danken, insbesondere für die Gabe des Regnum Christi und für unsere Berufung innerhalb dieses Werkes Gottes.

Diesmal hat es etwas Besonderes an sich, weil wir uns im Laufe dieses Jahres und vor allem während der letzten drei Monate versammelt haben, um zu beten und darüber nachzudenken, was Gott von der Bewegung will. Wir haben die Territorialversammlungen abgehalten und verantwortungsbewusst unsere Meinungen und jene Entscheidungen zum Ausdruck gebracht, die wir bevorzugen würden.

Wie das Leben der Kirche ist das Leben des Regnum Christi eine menschlich-göttliche Wirklichkeit. Beide Dimensionen gehören zusammen. Einerseits wissen wir, dass das Reich Christi nicht von dieser Welt ist, andererseits aber auch, dass unsere Sendung als Apostel darin besteht, Werkzeuge zu sein, damit dieses Reich in der Welt gegenwärtig wird. Sein Ursprung liegt in Gott und er teilt uns seinen Willen mit, doch müssen wir ihn erkennen und in die Tat umsetzen.

Was will Jesus Christus, der König des Universums, der König des Lebens und der Geschichte, heute für das ganze Regnum Christi? Zweifelsohne möchte er uns in diesem langwierigen und etwas komplexen Prozess helfen, damit wir über Statuten verfügen, die nach den Ereignissen der letzten Jahre dem neuesten Stand der Entwicklung entsprechen. Allerdings möchte er sicher auch Wichtigeres und Tieferes. Was will er für jeden Einzelnen von uns?

Vor einigen Tagen las ich beim Stundengebet den Brief des heiligen Augustinus an die Witwe Proba. Er enthält einen sehr schönen Kommentar zum Vaterunser. Darin heißt es, dass im Gebet des Herrn alle Bitten enthalten sind, die wir vorbringen können. Da kam mir der Gedanke, dass wir jeden Tag etwas Ähnliches tun, wenn wir beten: „Christus, unser König, dein Reich komme!“ In der Bitte, dass sein Reich komme, ist irgendwie alles enthalten, was er für jeden von uns will und auch alles, was wir brauchen und uns wünschen. Die Bitte enthält zusammengefasst unser ganzes Charisma, unsere Spiritualität und Sendung.

Nummer 13 §1 des Entwurfs der Generalstatuten handelt vom Reich Christi:

Zeugnis, Verkündigung und Wachstum des Reiches Christi bilden das Ideal, das die Bewegung inspiriert und leitet. Ihr Leitspruch „Christus, unser König, dein Reich komme!“ bringt diesen Wunsch zum Ausdruck. Die Mitglieder des Regnum Christi bemühen sich daher – in Treue zu den Eingebungen des Heiligen Geistes – darum:

1. in ihrem Herzen und in ihren Werken Christus anzuziehen, damit er der Herr über ihr Leben ist und sie ihm mehr und mehr gleichgestaltet werden;

2. sich von Christi Liebe zu allen Menschen durchdringen und bewegen zu lassen, damit sie dazu beitragen, dass er auch im Herzen der Menschen und der Gesellschaft Herr ist.

„Christus, unser König, dein Reich komme!“ müssen wir heute mit Sehnsucht, Dankbarkeit, Überzeugung, Freude und Hoffnung sagen. Auch jetzt, zum Abschluss der Territorialversammlungen, wiederholen wir dieses gemeinsame Gebet, das uns alle Tage hindurch begleitet: Dein Reich komme! Sein Regnum Christi komme!

Wie die Kirche zugleich heilig ist und der Heiligung bedarf („sancta et sanctificanda“, sagen die Lateiner), muss auch das Regnum Christi immer einen Weg der Umkehr und Erneuerung beschreiten. In diesem Sinne sagte Paul VI. mit Nachdruck: „Die Kirche muss tief in sich selbst hineinschauen und über ihr Geheimnis nachdenken.“ Dann fügte er hinzu: „Daraus ergibt sich für die Kirche ein starkes, ja unruhiges Verlangen nach Selbsterneuerung, nach Verbesserung der Fehler, die dieses Bewusstsein gleichsam wie bei einer Prüfung des Inneren im Spiegelbild des Modells, das Christus uns von sich hinterlassen hat, aufdeckt…“ (Ecclesiam suam, 11). Wir beschreiten diesen Prozess als Institution. Unter den gegenwärtigen Umständen bittet uns Gott darum, lebendige und intelligente Werkzeuge zu sein, das heißt menschliche Strukturen und Schemata zu suchen (die zwar wichtig, aber immer nur ein Kleid und vergänglich sind) und das, was das Regnum Christi war und ist, innerhalb der Kirche zu institutionalisieren.

Als Gabe Gottes an uns und an die Kirche erschöpft sich das Charisma nicht in menschlichen Strukturen und Begriffsbestimmungen, sondern geht weit über sie hinaus. Seit den ersten Beitritten im Jahre 1968, also vor fast genau 50 Jahren, sind es Tausende geworden, die im Regnum Christi Jesus Christus gefunden haben und ihm persönlich gefolgt sind, ohne sich allzu sehr um dessen menschliche Struktur zu kümmern. Natürlich: Teams, Sektionen, Handbücher und andere Elemente waren hilfreich, aber von grundlegender Bedeutung war die ganz auf Christus ausgerichtete Spiritualität.

Auch jeder und jede Einzelne von uns Mitgliedern aus allen Zweigen des Regnum Christi befindet sich mit all seiner Lebenserfahrung in einem nie abgeschlossenen Prozess der Umgestaltung in Christus, der der Herr des Lebens und der Geschichte, der König aller und der Herr des Regnum Christi ist.

Auf diesem Weg der Umkehr und der Erneuerung sind wir zu einem tieferen Gebetsleben und einer größeren Einheit mit Christus berufen, ja, es muss uns dahin ziehen, „denn getrennt von mir, könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5). Es ist sehr erbaulich und beispielhaft, wenn – wie wir feststellen – angesichts der Herausforderungen, denen wir in dieser Zeit gegenüberstehen, das Gebetsleben in einigen Territorien und Zweigen der Bewegung an Tiefe und Intensität zugenommen hat. Unsere Sehnsucht nach Gott veranlasst uns, miteinander zu beten und Christus, unsern König, der in der Eucharistie gegenwärtig ist, um das lebendige Wasser zu bitten, das uns erneuert und wirksam in ihn verwandelt.

Wenn wir also das Titularfest der Bewegung, das Christkönigsfest, in unserer eigenen Region feiern, müssen wir Gott voll Eifer darum bitten, dass die Bewegung sein Regnum Christi sein möge. Das wird sie aber nur sein, wenn jeder von uns Jesus Christus in seinem Herzen aufnimmt, ihn in seinem Tun wirken lässt und ihm ähnlich wird. Hierum müssen wir intensiv, überzeugt und beharrlich bitten.

Wonach sehnen wir uns, wenn wir gläubig und hoffnungsvoll darum bitten, dass sein Reich im Heute und Morgen zu uns komme?

Wir bitten um seine Gnade, die in uns das Verlangen einsenkt, ihm anzugehören, und uns wirklich dazu bringt, uns dafür einzusetzen, dass er in unserem Herzen Herr ist, in unserer Seele Wohnung nimmt und aus ihr alles entfernt, was von Individualismus und Egoismus zeugt. Wir bitten darum, dass er uns von allem Schmutz der Welt und von aller Verliebtheit in sie reinigt und uns stärkt, damit wir den Feinden unserer Seele wirklich entgegentreten können.

Wenn wir darum bitten, dass sein Reich der Liebe komme, wünschen wir uns, dass er unser Herz verwandelt und uns fähig macht, so zu lieben wie er; dass wir es verstehen, unsere Schwestern und Brüder in der Bewegung willkommen zu heißen und zu lieben, und zwar mit ihren starken und schwachen Seiten, mit ihren Gedanken und Wünschen; dass wir es verstehen, Jesus Christus zu finden, der im Herzen eines jeden von ihnen lebt.

Wenn wir darum bitten, dass sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens komme, wünschen wir uns, dass er uns erlaube, die Einheit und Gemeinschaft in neuer Weise zu leben, wie es seiner wahren Absicht entspricht; und wir bitten ihn um sein Licht, damit er nicht erlauben möge, dass bloß menschliche Erwägungen beeinflussen, was wir nach der ersten Generalversammlung des Regnum Christi dem Heiligen Stuhl zur Genehmigung vorlegen.

Wenn wir darum bitten, dass sein Reich komme, sagen wir ihm, er möge uns zu kampferprobten, in gewisser Weise unermüdlichen Aposteln machen, denn „die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter“ (Mt 9,37).

Das ist jedenfalls mein Gebet, das ich für jedes Mitglied der Bewegung an Gott, unseren Herrn, richte: dass er an diesem Christkönigsfest sein Reich in unser Herz kommen lasse und dass er uns weiterhin in bessere Söhne und Töchter und mutige Apostel seines Reiches verwandle, im Dienst der Kirche und der Welt, zum Heil der Menschen.

Ihr Bruder in Christus, 

P. Eduardo Robles Gil LC

(Übersetzung des spanischen Originals)

Additional Info

  • Untertitel:

    Brief von P. Eduardo Robles Gil LC (Generaldirektor) zum Christkönigssonntag, Patrozinium des Regnum Christi

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: International
facebook Google Plus Twitter You Tube

    

feedback